Malzbonbons und Stepptanz PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail

Biomalz Gewerbehof feierte 100.Geburtstag

01Rings um die Biomalzfabrik standen einst Getreidefelder, bevor die Stadt immer näher an das Industriegelände herangewachsen war. Zum Tagdes off enen Denkmals konnten sich kürzlich Besuch er anhand historisch er Aufnahmen ein Bild von den Anfängen des Produktionsstandortes machen, dessen bekanntes Stärkungs und Kräftigungsmittel einst in aller Munde war. Auch einige Firmen, die auf dem Gewerbehof ansässig sind, hatten ihre Türen an diesem Tag geöffnet, der auch Anlass war mit einem Hoffest den 100.Geburtstag des Unternehmens zu feiern.

In den ersten Jahren wurde Biomalz noch in Blechdosen und Eimern verkauft , danach in braunen Flaschen mit blauem Etikett . Später wurde die Produktpalette mit Malzmehl und Bonbons erweitert, zu DDR Zeiten kam Moskauer Sahneeis hinzu. Auf einem Präsentiertisch im alten Kesselhaus waren noch diverse alte Verpackungen aus dieser Zeit zu besich tigen, daneben Kostproben brauner Malzbonbons, die vor allem bei älteren Besuch ern süße Erinnerungen weckten. Dahinter ein Korb mit den neuen Produkten der Firma, die aus rechtlichen Gründen nur noch unter Teltowmalz firmieren darf.

So gibt es Teltowmalzbonbons nun mit Salbei- und Zitronengeschmack, auch Waldmeisterund Menthol sind im Angebot, ebenso Lakritze, ein Müsli, diverse Mehlsorten und Backmischungen.

Auch die alten Baupläne der Fabrik waren ausgestellt. Wer genau hinsah, konnte den funktionalistischen Baustil des Gebäudes erkennen, bei dem die Mischung aus einer Stahlbeton-Skelettbauweise mit einer Massivbauweise typisch ist für die Reformarchitektur, die sich in den Anfängen des 20.Jahrhunderts vor allem beim Industriebau durch setzte. Zu jener Zeit war es die modernste Bauweise, die teilweise auch noch klassische Stilelemente nutzte. Die Dachmitte krönte einst ein Turm, der nur von der Ostseite über einen weiteren Turm erreichbar war. Eine Mauer mit zwei Rundbogendurchgängen verbindet das ehemalige Kontorhaus noch heute mit der Fabrik, links davon befindet sich ein imposanter Treppenhausturm. Auf den historischen Bauplänen sind noch Sprossenfenster eingezeichnet. Bei einem Rundgang mit Historikern über den Gewerbehof wurde deutlich , dass es vor allem die noch erhaltenen architektonisch en Details sind, die dem Fabrikensemble ein eigenes Gesich t geben. Die ursprünglichen Funktionen der Fabrikräume sind inzwischen durch neue Nutzungen ersetzt worden. So hat die Kreismusikschule unterm Dach , wo einst das Lager war, seit zwei Jahren ein neues Domizil mit Konzertsaal, und da wo einst die Maische gekocht wurde, sind heute die Werkstätten der Union sozialer Einrichtungen (USE GmbH), in der Behinderte in verschiedenen Gewerken von der Schneiderei bis zur Druckerei arbeiten. Vor dem Fabrikgebäude, in einem Anbau, konnten Besucher die sch ick en Limousinen des Oldtimerspezialisten “classics and friends” bewundern. Ein Sportwagen der Marke Triumph 1800 Roadster stand auch im alten Kesselhaus, dazu der Vermerk, dass es sich um einen Viersitzer mit Schwiegermutt ersitz handle, also für Letztere eine eher ungemütliche Sitzgelegenheit anbietet. Im Kesselhaus, das als Veranstaltungssaal ausgebaut werden soll, heizten am Nachmittag die Tänzerinnen und Tänzer der Tanzsch ule Kurrat dem Publikum ein, das sich trotz sommerlicher Temperaturendiesen Höhepunkt des Programms nicht entgehen lassen wollte und auch tapfer auf den Stehplätzen über eine Stunde lang durchhielt.

Seit drei Jahren sind die Showtänzer im alten Kontorhaus ansässig, nebst eigenem Kostümfundus und Schneiderei im ehemaligen Pförtnerhäuschen. Mit ihrem Programm, das vom Johann-Strauß-Walzer bis zum Hip Hop reichte, durch reisten sie tänzerisch ein ganzes Jahrhundert. Gut möglich , dass auch auf dem Biomalz Gewerbehof einst eine Paul Lincke Melodie von den Arbeitern gepfiff en wurde oder später das Lied “Pack die Badehose ein”. Beim diesjährigen Hoffest war die Bühne, auf der die Tänzer auch ihre temperamentvollen Stepptänze zeigten, zwar nur ausgeliehen, aber für den künftigen Kulturstandort ist eine feste Bühne schon eingeplant.

Quelle: Bäke Courier